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    Selbstständig machen ohne Eigenkapital: Was wirklich geht, und was nicht

    Ganz ohne Eigenkapital gründen? Ehrliche Antwort plus Überblick über Gründungszuschuss, KfW-StartGeld, Mikromezzaninfonds und Bürgschaften.

    21. August 2026
    15 Min. Lesezeit

    Die kurze Antwort vorweg: Eine Gründung ganz ohne eigenes Geld ist in den allermeisten Fällen nicht realistisch. Wer etwas anderes verspricht, verkauft Ihnen etwas. Die längere Antwort ist deutlich interessanter — denn zwischen „gar kein Eigenkapital" und „die gesamte Summe auf dem Konto" liegt ein ganzes Spektrum an Förderprogrammen, Bürgschaften und Finanzierungswegen, die genau diese Lücke schließen sollen.

    Dieser Artikel erklärt, warum Eigenkapital gefordert wird, welche Gründungsformen tatsächlich mit sehr wenig Kapital starten, und welche staatlichen Programme es in Deutschland gibt. Ohne Versprechen, ohne Schönfärberei — inklusive der Kosten und Haken, die andere Ratgeber weglassen.

    Wichtiger Hinweis: Dieser Beitrag gibt einen allgemeinen Überblick nach bestem Wissen, Stand August 2026. Er ist keine Rechts-, Steuer- oder Finanzberatung. Förderbedingungen, Beträge und Fristen ändern sich regelmäßig und werden teilweise regional unterschiedlich gehandhabt. Prüfen Sie vor jeder Entscheidung die aktuellen Angaben der jeweiligen Stelle und lassen Sie sich individuell beraten.

    Warum überhaupt Eigenkapital? Vier nüchterne Gründe

    Bevor es um Fördermittel geht, lohnt sich das Verständnis dafür, warum fast überall Eigenkapital verlangt wird. Es ist keine Schikane.

    1. Es ist Ihr Risikopuffer. Kaum eine Gründung läuft nach Plan. Der Ladenumbau dauert länger, die ersten Monate laufen schleppend, eine Nachzahlung kommt zur Unzeit. Eigenkapital ist das, was Sie in diesen Momenten handlungsfähig hält. Wer ohne Puffer startet, ist beim ersten Rückschlag zahlungsunfähig.

    2. Banken bewerten damit Ihr Commitment. Wer eigenes Geld einsetzt, hat etwas zu verlieren und entscheidet nachweislich sorgfältiger. Für die Bank ist Eigenkapital ein Signal, dass Sie selbst an Ihr Vorhaben glauben.

    3. Es senkt Ihre monatliche Belastung. Jeder Euro, den Sie nicht finanzieren, ist ein Euro, für den Sie keine Zinsen und keine Tilgung zahlen. Das entlastet genau in der Phase, in der die Umsätze noch schwanken.

    4. Es verbessert Ihre Konditionen. Ein höherer Eigenkapitalanteil führt in aller Regel zu besseren Zinsen — die Finanzierung wird also insgesamt günstiger.

    Das Existenzgründungsportal des Bundeswirtschaftsministeriums formuliert als Orientierung, der Eigenkapitalanteil am Gesamtkapital solle „möglichst nicht unter 20 Prozent liegen, eher darüber". Das ist keine gesetzliche Vorgabe, sondern eine Empfehlung — die Bewertung erfolgt im Einzelfall nach Vorhaben, Branche und Bonität.

    Welche Selbstständigkeit wirklich mit fast keinem Kapital startet

    Es gibt sie — aber sie hat ein klares Profil.

    • Gründungsform: Freiberufliche Dienstleistung (Beratung, Text, Design) · Kapitalbedarf: sehr gering · Ehrliche Einschränkung: Sie verkaufen Ihre Zeit. Kein Vermögensaufbau, kein Verkaufswert, Ausfall bei Krankheit.
    • Gründungsform: Handwerkliche Dienstleistung ohne eigene Werkstatt · Kapitalbedarf: gering · Ehrliche Einschränkung: Werkzeug und Fahrzeug fallen trotzdem an.
    • Gründungsform: Onlinehandel im Dropshipping · Kapitalbedarf: gering · Ehrliche Einschränkung: Sehr hoher Wettbewerb, dünne Margen, kaum Kontrolle über Qualität und Lieferzeit.
    • Gründungsform: Nebenberufliche Gründung · Kapitalbedarf: gering · Ehrliche Einschränkung: Wächst langsam, weil die Zeit fehlt. Aber: das Einkommen läuft weiter.
    • Gründungsform: Ladengeschäft / stationärer Einzelhandel · Kapitalbedarf: hoch · Ehrliche Einschränkung: Miete, Kaution, Ladenbau, Warenerstausstattung fallen vor dem ersten Euro Umsatz an.

    Das Muster ist eindeutig: Je weniger Kapital nötig ist, desto weniger bauen Sie sich etwas Eigenes auf. Eine Dienstleistung ohne Anfangsinvestition ist im Kern ein anderer Job — kein Unternehmen, das ohne Sie funktioniert oder das Sie später verkaufen können.

    Wer ein Ladengeschäft eröffnen möchte, kommt an einer Anfangsinvestition nicht vorbei. Die Frage ist nicht ob, sondern woher.

    Was ein eigenes Ladengeschäft realistisch kostet

    Die folgenden Spannen sind Orientierungswerte und variieren erheblich nach Lage, Größe und Branche:

    • Mietkaution (meist 2–3 Monatsmieten) — Typische Spanne: 3.000 – 12.000 €
    • Ladenbau, Einrichtung, Beleuchtung — Typische Spanne: 20.000 – 60.000 €
    • Warenerstausstattung — Typische Spanne: 15.000 – 40.000 €
    • Kassensystem, IT, Warenwirtschaft — Typische Spanne: 2.000 – 8.000 €
    • Außenwerbung, Beschilderung — Typische Spanne: 2.000 – 10.000 €
    • Eröffnungsmarketing — Typische Spanne: 2.000 – 8.000 €
    • Behörden, Beratung, Notar — Typische Spanne: 1.000 – 4.000 €
    • Liquiditätsreserve für 6 Monate — Typische Spanne: 10.000 – 30.000 €

    Die letzte Zeile wird am häufigsten unterschätzt und ist am gefährlichsten. Sie müssen Miete, Versicherungen, Warennachschub und Ihren eigenen Lebensunterhalt bezahlen, bevor das Geschäft trägt.

    Die Förderlandschaft in Deutschland: fünf Wege

    Jetzt zum eigentlich Nützlichen. Diese Programme existieren, weil der Gesetzgeber genau das Problem kennt — Menschen mit guten Ideen, aber ohne Vermögen.

    Grundsatz vorab: Auf keines der hier genannten Programme besteht ein Rechtsanspruch. Gründungszuschuss und Einstiegsgeld sind Ermessensleistungen der Agentur für Arbeit beziehungsweise des Jobcenters. Die KfW entscheidet im Rahmen der verfügbaren Mittel nach pflichtgemäßem Ermessen. Bürgschaftsbanken und Beteiligungsgesellschaften entscheiden eigenständig nach ihren Richtlinien. Und in nahezu allen Fällen gilt: Antrag stellen, bevor Sie mit dem Vorhaben beginnen. Wer zuerst den Mietvertrag unterschreibt und dann fördert, geht meist leer aus.

    1. Gründungszuschuss (§ 93 SGB III)

    Für Menschen, die Arbeitslosengeld I beziehen und sich hauptberuflich selbstständig machen wollen.

    • Kernvoraussetzung — Agentur für Arbeit: Restanspruch auf ALG I von mindestens 150 Tagen
    • Umfang der Tätigkeit — Agentur für Arbeit: hauptberuflich, in der Regel mindestens 15 Stunden pro Woche
    • Weitere Voraussetzung — Agentur für Arbeit: Tragfähigkeitsbescheinigung einer fachkundigen Stelle
    • Phase 1 — Agentur für Arbeit: 6 Monate: bisheriges ALG I plus 300 € monatlich (Pauschale für soziale Absicherung)
    • Phase 2 — Agentur für Arbeit: optional weitere 9 Monate: 300 € monatlich (Nachweis der Geschäftstätigkeit erforderlich)
    • Sperrfrist — Agentur für Arbeit: ausgeschlossen, wenn seit dem Ende einer früheren Gründungsförderung nach dem SGB III noch keine 24 Monate vergangen sind (§ 93 Abs. 4 SGB III)
    • Rechtscharakter — Agentur für Arbeit: Ermessensleistung — kein Rechtsanspruch
    Wichtig, und meist verschwiegen: Der Gründungszuschuss ist nicht „geschenkt". Für die sechs Monate der ersten Phase mindert sich Ihr Restanspruch auf Arbeitslosengeld I um die entsprechenden Tage (§ 148 SGB III). Die Pauschale von 300 € bleibt davon unberührt. Wer den Zuschuss nimmt und scheitert, hat also weniger Auffangnetz als vorher — das gehört in Ihre Abwägung.

    Die fachkundige Stelle bestätigt, dass Ihr Geschäftsmodell voraussichtlich tragfähig ist. Das Gesetz nennt ausdrücklich Industrie- und Handelskammern, Handwerkskammern, berufsständische Kammern, Fachverbände und Kreditinstitute. Ob darüber hinaus auch Steuerberater:innen oder Gründungsberatungen anerkannt werden, entscheidet Ihre Agentur für Arbeit im Einzelfall — klären Sie das vorab dort. Die Kosten unterscheiden sich erheblich: Manche Kammern stellen die Bescheinigung für Mitglieder kostenfrei aus, andere erheben eine Gebühr.

    Realistisch eingeordnet: Der Gründungszuschuss finanziert Ihren Lebensunterhalt in der Startphase. Er finanziert nicht Ihren Ladenbau. Das ist ein häufiges Missverständnis — aber gerade deshalb wertvoll: Er nimmt den Druck, sofort Gewinn erwirtschaften zu müssen.

    2. Einstiegsgeld (§ 16b SGB II)

    Das Pendant für Menschen im Bezug von Grundsicherungsgeld.

    Hinweis zur Reform: Zum 1. Juli 2026 wurde das Bürgergeld durch das Grundsicherungsgeld ersetzt. Neben dem Namen haben sich Regelungen und Mitwirkungspflichten geändert. Bestehende Bescheide gelten inhaltlich weiter; Anträge und Formulare werden schrittweise umgestellt. Fragen Sie im Zweifel direkt bei Ihrem Jobcenter nach, welche Regelungen für Sie gelten.
    • Voraussetzung — Jobcenter: Aufnahme einer hauptberuflichen Selbstständigkeit (in der Regel mindestens 15 Stunden pro Woche); tragfähige Geschäftsidee
    • Dauer — Jobcenter: in der Regel bis zu 24 Monate
    • Höhe — Jobcenter: einzelfallabhängig, orientiert am Regelbedarf
    • Rechtscharakter — Jobcenter: Ermessensleistung — kein Rechtsanspruch

    Wichtig: Der Antrag muss gestellt werden, bevor Sie sich hauptberuflich selbstständig machen. Nachträglich ist er nicht möglich.

    3. KfW ERP-Gründerkredit – StartGeld (Programm 067)

    Das für kapitalintensive Gründungen mit Abstand relevanteste Programm.

    • Eigenkapital — bis zu 200.000 €, davon bis zu 80.000 € für Betriebsmittel: kein formaler Mindestanteil — grundsätzlich ist eine Vollfinanzierung des Bedarfs möglich. Die KfW erwartet allerdings, dass vorhandene eigene Mittel „nach Möglichkeit" eingebracht werden; ihre Höhe fließt in die Bonitätsbeurteilung ein.
    • Sicherheiten — bis zu 200.000 €, davon bis zu 80.000 € für Betriebsmittel: bankübliche Sicherheiten sind zu stellen; Art und Umfang vereinbaren Sie mit Ihrem Finanzierungspartner
    • Haftungsfreistellung — bis zu 200.000 €, davon bis zu 80.000 € für Betriebsmittel: die KfW stellt Ihren Finanzierungspartner zu 80 % von der Haftung frei
    • Tilgungsfreie Anlaufzeit — bis zu 200.000 €, davon bis zu 80.000 € für Betriebsmittel: bis zu 2 Jahre (bei bis zu 10 Jahren Laufzeit), bei bis zu 5 Jahren Laufzeit 1 Jahr
    • Auszahlung — bis zu 200.000 €, davon bis zu 80.000 € für Betriebsmittel: 100 % des zugesagten Betrags; Abruffrist 12 Monate
    • Zielgruppe — bis zu 200.000 €, davon bis zu 80.000 € für Betriebsmittel: Gründung und Festigung im Voll- oder Nebenerwerb, bis 5 Jahre nach Aufnahme der Geschäftstätigkeit
    • Antragsweg — bis zu 200.000 €, davon bis zu 80.000 € für Betriebsmittel: über Ihre Hausbank, nicht direkt bei der KfW

    Der Kern des Programms ist die 80-prozentige Haftungsfreistellung: Die KfW stellt Ihren Finanzierungspartner zu 80 % von der Haftung frei, die verbleibenden 20 % trägt die Bank selbst. Das kann die Bereitschaft erhöhen, ein Vorhaben auch bei knappen Sicherheiten überhaupt zu prüfen — eine Zusage ist damit ausdrücklich nicht verbunden. Über Kreditvergabe, Konditionen und Besicherung entscheidet allein Ihre Bank.

    Was Sie vorbereiten müssen: Die KfW verlangt, die Erfolgsaussichten des Vorhabens anhand geeigneten Zahlenmaterials darzulegen. In der Praxis heißt das: ein durchgerechneter Businessplan mit Investitions-, Liquiditäts- und Rentabilitätsplanung. Entsprechende Vorlagen stellt die KfW kostenlos bereit.

    Worauf Sie achten sollten — die Kostenseite:

    • Der Antrag muss gestellt werden, bevor Sie mit dem Vorhaben beginnen.
    • Eine Kombination mit anderen haftungsfreigestellten KfW- oder ERP-Programmen ist ausgeschlossen.
    • Ab rund sechs Monaten nach Zusage fällt eine Bereitstellungsprovision von 0,15 % pro Monat auf nicht abgerufene Beträge an.
    • Außerplanmäßige Tilgungen sind nur gegen Vorfälligkeitsentschädigung möglich.
    • Bei haftungsbeschränkten Rechtsformen (GmbH, UG): Die Hausbank vereinbart in der Regel eine quotale Mithaft beziehungsweise selbstschuldnerische Bürgschaften der Anteilseigner. Eine GmbH schirmt Sie hier also nicht persönlich ab — eine weit verbreitete Fehlannahme.
    • Zinssätze sind marktabhängig und ändern sich laufend. Die aktuellen Konditionen erfahren Sie bei der KfW oder Ihrer Bank.

    4. Mikromezzaninfonds Deutschland

    Ein weniger bekanntes, aber für diese Ausgangslage passendes Instrument: Es führt dem Unternehmen wirtschaftliches Eigenkapital zu und verbessert dadurch Eigenkapitalquote und Rating.

    • Höhe (MMF III) — stille Beteiligung — Sie geben keine Stimm- oder Einflussnahmerechte ab: in der Regel bis zu 100.000 €
    • Erhöhter Rahmen — stille Beteiligung — Sie geben keine Stimm- oder Einflussnahmerechte ab: bis zu 150.000 € für bestimmte Zielgruppen, u. a. Unternehmen, die aus der Arbeitslosigkeit heraus gegründet werden, von Frauen oder von Menschen mit Migrationsgeschichte geführte Unternehmen sowie ökologisch nachhaltige und gemeinwohlorientierte Unternehmen
    • Sicherheiten — stille Beteiligung — Sie geben keine Stimm- oder Einflussnahmerechte ab: es sind keine Sachsicherheiten zu stellen; eine persönliche (Teil-)Garantie der Gesellschafter kann verlangt werden
    • Laufzeit — stille Beteiligung — Sie geben keine Stimm- oder Einflussnahmerechte ab: 10 Jahre; Tilgung ab dem 7. Jahr in drei gleich hohen Jahresraten
    • Zuständig — stille Beteiligung — Sie geben keine Stimm- oder Einflussnahmerechte ab: Mittelständische Beteiligungsgesellschaften (MBG) der Bundesländer
    Die Konditionen — bitte genau lesen: 8,0 % p. a. feste Vergütung (11 % abzüglich 3 % Zinszuschuss), einmalig 3,5 % Bearbeitungsentgelt, dazu bis zu 2 % p. a. variable Gewinnbeteiligung. Mikromezzanin ist damit deutlich teurer als ein Förderkredit. Es kauft Ihnen Eigenkapitalwirkung — nicht günstiges Geld. Sinnvoll ist es vor allem dann, wenn es einen zusätzlichen, günstigeren Bankkredit überhaupt erst ermöglicht.

    Voraussetzung sind ein tragfähiges Konzept und eine insgesamt gesicherte Gesamtfinanzierung; die Höhe der Beteiligung orientiert sich unter anderem am vorhandenen wirtschaftlichen Eigenkapital. Ein Anspruch auf eine Beteiligung besteht nicht. Die Detailkonditionen können je nach Bundesland abweichen; zuständig ist die MBG Ihres Landes.

    5. Bürgschaftsbanken der Länder

    Wenn die Bank sagt: „Die Idee überzeugt, aber uns fehlen die Sicherheiten" — dann ist das der Fall, für den Bürgschaftsbanken existieren.

    Eine Ausfallbürgschaft übernimmt einen Großteil des Kreditrisikos gegenüber Ihrer Bank. Die Bürgschaftsbank trägt in der Regel bis zu 80 % des Ausfallrisikos; mindestens 20 % verbleiben bei der Bank. Je nach Programm, Vorhabensart und Unternehmensalter können niedrigere Quoten gelten, etwa bei reinen Betriebsmittelfinanzierungen. Das Bürgschaftsvolumen je Kreditnehmer ist bundesweit auf 1 Million Euro begrenzt.

    Wichtig: Eine Bürgschaft entlastet Ihre Bank, nicht Sie. Sie bleiben in voller Höhe Schuldner. Wird die Bürgschaft in Anspruch genommen, tritt die Bürgschaftsbank lediglich an die Stelle der Bank als Gläubigerin. Für die Bürgschaft fallen zudem eine einmalige Bearbeitungsgebühr und eine laufende jährliche Bürgschaftsprovision an.

    In den meisten Bundesländern gibt es zusätzlich das Modell „Bürgschaft ohne Bank" (BoB): Sie stellen den Antrag zuerst bei der Bürgschaftsbank und suchen erst mit deren Zusage in der Hand eine Bank. Das dreht die Verhandlungsposition spürbar zu Ihren Gunsten.

    Programmnamen, Höchstbeträge und Detailkonditionen unterscheiden sich zwischen den Bundesländern. Belastbare Zahlen für Ihr Vorhaben erhalten Sie nur bei der Bürgschaftsbank Ihres Landes.

    Und was ist mit Landesprogrammen?

    Zusätzlich zu den Bundesprogrammen unterhält jedes Bundesland eigene Gründungsförderungen — Zuschüsse, Darlehen, Coaching-Programme, teilweise Gründungsstipendien. Diese sind zu vielfältig für eine sinnvolle Aufzählung und ändern sich häufig.

    Die zuverlässigste Anlaufstelle ist die Förderdatenbank des Bundes (`foerderdatenbank.de`), in der Bundes-, Landes- und EU-Programme gebündelt und aktuell gehalten werden. Ebenso lohnt der Gang zur örtlichen IHK oder Handwerkskammer.

    Die Finanzierungsleiter: So fügt sich das zusammen

    Ein vereinfachtes Beispiel für ein Ladengeschäft mit rund 105.000 € Gesamtinvestition:

    • Baustein: Eigenkapital · Beispielhafter Anteil: 25.000 € · Funktion: Risikopuffer, Signal an die Bank
    • Baustein: KfW-StartGeld über die Hausbank · Beispielhafter Anteil: 80.000 € · Funktion: davon 65.000 € Investition, 15.000 € Betriebsmittel
    • Baustein: Gründungszuschuss (falls anspruchsberechtigt) · Beispielhafter Anteil: — · Funktion: sichert den Lebensunterhalt, nicht die Investition
    • Baustein: Bürgschaft (falls Sicherheiten fehlen) · Beispielhafter Anteil: — · Funktion: ermöglicht den Kredit überhaupt erst
    • Baustein: Mikromezzanin (falls die Eigenkapitalquote nicht reicht) · Beispielhafter Anteil: — · Funktion: verbessert das Rating, ist aber teuer

    Das Muster: Fördermittel ersetzen Eigenkapital nicht — sie hebeln es. Aus 25.000 € eigenen Mitteln kann ein finanzierbares Vorhaben von rund 105.000 € werden. Ohne die eigenen 25.000 € wird die Leiter allerdings sehr kurz.

    Rein illustratives Rechenbeispiel. Tatsächliche Finanzierungsstrukturen hängen von Bonität, Vorhaben, Sicherheiten, Bank und Bundesland ab. Eine Finanzierung in dieser Form ist weder zugesagt noch typisch garantiert.

    Warum ein erprobtes Konzept die Finanzierung erleichtert

    Ein Aspekt, der in Finanzierungsgesprächen unterschätzt wird: Banken bewerten das Risiko Ihres Geschäftsmodells, nicht nur Ihre Person.

    Bei einer völlig neuen Idee muss die Bank einschätzen, ob der Markt sie annimmt. Bei einem etablierten Konzept mit vielen bestehenden Standorten gibt es Vergleichszahlen: reale Umsatzverläufe, bekannte Kostenstrukturen, dokumentierte Erfahrungswerte. Das kann die Unsicherheit auf der Bankseite verringern — und damit die Finanzierungsgespräche erleichtern.

    Dazu kommt: Viele Franchisegeber unterstützen bei der Finanzierungsvorbereitung, weil sie diese Gespräche vielfach begleitet haben.

    Aber — und das gehört zur Ehrlichkeit dazu: Franchise ist kein Weg in die Selbstständigkeit ohne Eigenkapital. Nahezu alle seriösen Systeme setzen Eigenkapital voraus, und wer das Gegenteil verspricht, sollte Sie misstrauisch machen. Franchise senkt das unternehmerische Risiko, nicht den Kapitalbedarf.

    Bei vomFASS liegt die Anforderung beispielsweise bei mindestens 25.000 € Eigenkapital, bei einer Gesamtinvestition von rund 100.000 bis 140.000 €. Diese Zahlen nennen wir offen, weil eine Gründung, die an der Finanzierung scheitert, für beide Seiten ein Verlust ist.

    Wer wissen möchte, wie das Konzept im Detail funktioniert, findet die Einzelheiten auf unserer Seite zum Franchise-Konzept — und die aktuell verfügbaren Standorte unter Standort sucht Partner.

    Fünf Fehler, die immer wieder passieren

    1. Zu spät den Antrag stellen. Fast alle Programme verlangen die Antragstellung vor Vorhabenbeginn. Ein unterschriebener Mietvertrag kann die Förderung kosten.

    2. Die Liquiditätsreserve vergessen. Die häufigste Ursache für frühes Scheitern ist nicht ein schlechtes Konzept, sondern fehlende Liquidität in Monat vier.

    3. Den Businessplan als Formalie behandeln. Er ist Grundlage für Tragfähigkeitsbescheinigung, Bankgespräch und KfW-Antrag gleichzeitig. Und er zwingt Sie, Ihre eigenen Zahlen zu verstehen.

    4. Nur mit der eigenen Hausbank sprechen. Banken bewerten Gründungsvorhaben sehr unterschiedlich. Zwei oder drei Gespräche sind normal und sinnvoll.

    5. Nur auf die Zinsen schauen. Bearbeitungsentgelte, Bürgschaftsprovisionen, Bereitstellungszinsen und Vorfälligkeitsentschädigungen summieren sich. Vergleichen Sie die Gesamtkosten über die Laufzeit, nicht den Zinssatz.

    Häufige Fragen

    Kann ich mich wirklich ganz ohne Eigenkapital selbstständig machen? In Einzelfällen ja — vor allem bei reinen Dienstleistungen ohne nennenswerte Anfangsinvestition. Für ein Ladengeschäft ist es unrealistisch. Programme wie das KfW-StartGeld schreiben zwar keinen Mindestanteil an Eigenkapital vor, erwarten aber, dass vorhandene eigene Mittel eingebracht werden, verlangen bankübliche Sicherheiten und binden die Entscheidung an Ihre Bank.

    Wie viel Eigenkapital sollte ich mitbringen? Das Existenzgründungsportal des Bundeswirtschaftsministeriums nennt als Orientierung, der Eigenkapitalanteil solle möglichst nicht unter 20 Prozent liegen, eher darüber. Eine gesetzliche Vorgabe gibt es nicht; die Bewertung erfolgt im Einzelfall.

    Habe ich einen Anspruch auf den Gründungszuschuss? Nein. Der Gründungszuschuss nach § 93 SGB III ist eine Ermessensleistung. Auch bei erfüllten Voraussetzungen und positiver Tragfähigkeitsbescheinigung entsteht kein Rechtsanspruch.

    Verbrauche ich mit dem Gründungszuschuss meinen Arbeitslosengeldanspruch? Teilweise ja. Für die sechs Monate der ersten Phase mindert sich die Dauer Ihres Restanspruchs auf Arbeitslosengeld I entsprechend (§ 148 SGB III). Die Pauschale von 300 Euro bleibt unberührt.

    Was ist eine Tragfähigkeitsbescheinigung und wer stellt sie aus? Eine fachkundige Stelle bestätigt darin, dass Ihr Vorhaben voraussichtlich wirtschaftlich tragfähig ist. Das Gesetz nennt insbesondere Industrie- und Handelskammern, Handwerkskammern, berufsständische Kammern, Fachverbände und Kreditinstitute. Ob weitere Stellen anerkannt werden, klären Sie vorab mit Ihrer Agentur für Arbeit. Die Kosten unterscheiden sich je nach Stelle.

    Wo beantrage ich das KfW-StartGeld? Nicht bei der KfW, sondern bei einem Finanzierungspartner — Ihrer Bank, einer Sparkasse oder Genossenschaftsbank. Diese leitet den Antrag weiter. Wichtig: vor Beginn des Vorhabens.

    Kann ich Gründungszuschuss und KfW-Kredit kombinieren? Das schließt sich grundsätzlich nicht aus, da beide unterschiedliche Zwecke erfüllen — der Zuschuss den Lebensunterhalt, der Kredit die Investition. Ob es in Ihrem Fall zulässig und sinnvoll ist, klären Sie mit Agentur für Arbeit und Bank. Ausgeschlossen ist hingegen die Kombination mehrerer haftungsfreigestellter KfW- beziehungsweise ERP-Programme untereinander.

    Schützt mich eine GmbH vor der persönlichen Haftung für den Förderkredit? In der Regel nicht. Bei haftungsbeschränkten Rechtsformen vereinbaren Banken beim KfW-StartGeld üblicherweise eine quotale Mithaft oder selbstschuldnerische Bürgschaften der Anteilseigner.

    Gibt es Franchise ohne Eigenkapital? Seriöse Franchisesysteme setzen praktisch immer Eigenkapital voraus. Angebote, die mit „Franchise ohne Eigenkapital" werben, sollten Sie besonders sorgfältig prüfen.

    Was gilt in Österreich und der Schweiz? Die hier beschriebenen Programme sind deutsche Bundesprogramme. In Österreich bestehen unter anderem Angebote des AMS und der Austria Wirtschaftsservice (aws), in der Schweiz überwiegend kantonale Programme und Bürgschaftsgenossenschaften. Die Bedingungen unterscheiden sich deutlich — informieren Sie sich bei den jeweils zuständigen nationalen Stellen.

    Fazit

    Der Satz „selbstständig machen ohne Eigenkapital" beschreibt selten das, was Menschen tatsächlich suchen. Meist lautet die eigentliche Frage: Ich habe nicht genug — wie komme ich trotzdem dorthin?

    Darauf gibt es eine belastbare Antwort. Zwischen Gründungszuschuss, KfW-StartGeld mit 80-prozentiger Haftungsfreistellung, Mikromezzaninfonds und Bürgschaftsbanken existiert in Deutschland ein Instrumentarium, das für Menschen mit tragfähigem Konzept und schmaler Kapitaldecke geschaffen wurde. Es ersetzt Eigenkapital nicht — aber es kann dessen Wirkung deutlich vergrößern.

    Was es braucht, ist ein durchgerechneter Plan, die richtige Reihenfolge der Anträge, ein realistischer Blick auf die Gesamtkosten und die Bereitschaft, Beratung anzunehmen. Und die Ehrlichkeit gegenüber sich selbst, ob die eigene Ausgangslage für den gewählten Weg reicht.

    Stand: August 2026. Angaben zum KfW-Programm 067 nach dem Merkblatt mit Stand 18.06.2026. Alle Angaben ohne Gewähr und ohne Anspruch auf Vollständigkeit. Förderkonditionen, Höchstbeträge und Voraussetzungen ändern sich regelmäßig und werden teilweise regional unterschiedlich gehandhabt. Dieser Beitrag ersetzt keine individuelle Rechts-, Steuer- oder Finanzberatung und stellt keine Zusage einer Förderung dar. Verbindliche Auskünfte erhalten Sie bei der Agentur für Arbeit, Ihrem Jobcenter, der KfW, Ihrer Hausbank, der Bürgschaftsbank und der Mittelständischen Beteiligungsgesellschaft Ihres Bundeslandes sowie bei IHK und Handwerkskammer.

    Weiterführende offizielle Quellen:

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